SABINE PEUCKERT

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Juliane Adler

zur Ausstellung Berg und Turm in der Galerie im Turm, Berlin 1999

Sabine Peuckert sucht nach einer Balance zwischen Festem und Bewegtem. Die Geduld des Berges und Liebe kann Berge versetzen. Es scheint, als traue sie keinem von beidem und mit der ihr eigenen Unruhe ist sie unterwegs. Diesmal findet sie den Turm und sie findet den Berg. Sie findet das Dreieck. Wiederbegegnung mit einer Form, überraschend und konsequent.

Liebe zum Dreieck lässt sich in Sabine Peuckerts Arbeiten weit zurückverfolgen, nicht nur als Turmbekrönung. Dach oder Giebel, auch als freies Kompositionselement und immer wieder als Pyramide. Bisher Teil eines anderen, Ergänzung, Beifügung, notwendig oder verspielt, zeichenhaft mitunter erzählerisch, das Dreieck, jetzt herausgelöst aus vertrauten Nachbarschaften, erhebt es sich eigenständig als Turm und Berg.

Ich sehe das entschlossene Auf und Ab der Hand, ich sehe wie sie diese Bewegung wiederholt, wie sich das Paar der Turmspitzen kraftvoll formiert, Doppeldreieck, M.

Reduzierung als Gewinn. Blatt um Blatt. Der Berg, über breiter Grundfläche lagernd, im allmählichen Aufstieg sich verjüngend zum Gipfel, eine ideale Form zwischen Himmel und Erde, doch gleichzeitig eine Feste, hinter der sich unbekannte Mächte verbergen, ein Geheimnis, ein Schatz, in Dunkelheiten gehüllt, eine unberechenbare Kraft. Der Berg und Ich. Ich und der Berg. Sabine Peuckert nimmt die Herausforderung an. Blatt um Blatt rückt sie dem Berg zu Leibe. Sie führt ihn auf die einfachste Form zurück. Wieder das Dreieck. Wieder das Auf und Ab der Hand, als gelte es überflüssige Bewegungen zu vermeiden, als übe sie sich in einer Art von Askese. Ist das der Schlüssel zum Geheimnis?

Ich sehe, die Hand weiß mehr: Horizont, Fluss, Segel, Verdunkelung, Tor und Kreuz, Wolke, Wellen, ich sehe, wie sich Wasser, Töne und Licht ausbreiten, Korona, Hof, Rand, Umgebung. Neue Nachbarschaften.

Ich sehe den Gewinn an Freiheit. Farben, die atmen, gehen, reden, sich aufklären, sich verändern, Mannigfaltigkeiten, die gefleckte Haut des Berges, Gelassenheit, nur für kurze Zeit bestehend, flüchtig, rasch vorübergehend, Farben fließen, brechen aus und stürzen, vor gleicher Grundfigur, das Doppelrad, Rot, das den Berg bewegt, Eruptionen, Freude der Leichtigkeit, selbst da wo Gewichte gesetzt werden, Leichtigkeit, ohne das Bedrohliche zu leugnen: Der Vulkan bricht aus. Es regnet Blut. Die gleiche Form, das Dreieck, das Feste hat sich geöffnet. Die Hand erinnert sich. Der Berg entlässt die Figur. Die Figur steigt aus dem Berg heraus und eignet sich den Berg an: Weg, Terrasse, Treppe oder Leiter.

Spannung des Aufstiegs, Beharren in der Bewegung, Gratwanderung, zwischen Festigkeit und Taumel, in der Schwebe, in der Balance.
"3 x ahoi"

Juliane Adler lebt als Fotografin und Autorin in Wien.
 

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