SABINE PEUCKERT

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Juliane Adler

zur Ausstellung 1995
in der Niedersächsischen Landesbibliothek Hannover

Sabine Peuckert erfährt ihre Umgebung in der Bewegung:

"...der bleierne Himmel in den Gängen dieser Stadt, heute wie gestern,
das Licht ändert sich nicht, die Bewegung wohl."


So sagen es die eigenen Verse und meinen den Menschen in seiner Befindlichkeit, seinem Geteilt- und Gefangensein, in Verlorenheit und Bedrängnis, in seiner Berührung mit dem Anderen, in Aufbruch und Suche, immer vor dem Hintergrund der Stadt: Das Berliner Scheunenviertel: Voller Kontraste und im Umbruch begriffen.

Der Wandel, der sich in während der letzten Jahre im Schaffen Sabine Peuckerts vollzog – weg von der Darstellung äußerer städtischer Situationen – hat wohl weniger mit der Unruhe zu tun, die in ihrem Stadtteil eingebrochen ist. Von jeher waren Menschen in ihren Bildern anwesend, auf die Stadt und aufeinander bezogen.

Die Entwicklung ausschließlich zum Figürlichen hin erscheint daher folgerichtig, wie auch die hervortretende, früher eher gemiedene starke Farbigkeit. Dunkles Blau und dunkles Grün umlagern den Menschen: Räume der Verdunkelung, in denen er selbst leuchtet oder versinkt; die er weder aufzulösen, noch zu durchdringen vermag; die den Zugang zum anderen versperren – wären da nicht hellere Räum, lichte Gelbtöne, in die er hineinragt.

Sabine Peuckert ist rastlos und intensiv im Wahrnehmen. Sie nimmt das Augenblickliche, Vorläufige und Unfertige, das im Werden begriffenen ernst und erachtet es als bildwürdig. Malen ist Ingredienz des Lebens. Kein Tag ohne dieses. Fortwährendes Formen um sich nicht aufzulösen. Entsprechend der inneren Bewegung müssen die Farben leicht fließen und schnell trocknen. Jede Situation ist zeitweilig und formt sich als Übergang.

Nie kann ein fertiges Blatt das Ganze erfassen und über der Arbeit ist es später geworden. Die Situation hat sich bereits wider verändert; die gefundene Antwort fordert die nächste Frage. Etwas tagebuchartiges haftet der Arbeit an, das Fragment dringt in die künstlerische Arbeit ein, der Torso wird wichtig. So sind auch die Titel: kleine Notizen, kurze sprachliche Anmerkungen, meist klein geschrieben, wie Bruchstücke aus einem größeren Text, und untereinandergesetzt lesen sie sich wie ein Gedicht.

Mit jedem entstandenem Bild ist ein anderes gewonnen. Das führt zum Zyklus, in dem die zum jeweiligen Themenkreis gehörigen Arbeiten, sich ergänzend und erläuternd, beieinanderstehen. Wie im Leben, so lässt sich auch im Malen eine Situation nie vollkommen abschließen. Nur das Vorübergehende kann ins Gleichgewicht gebracht werden. Das ist Form. Danach stellt sich die Aufgabe neu und wieder anders.

Juliane Adler lebt als Fotografin und Autorin in Wien.
 

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