SABINE PEUCKERT

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Wolfgang Feyerabend

zur Ausstellung Inseln, Kunstmesse Berlin 1996

Sabine Peuckert kommt vom Zeichnerischen her. Stadtlandschaften, vor allem des historischen, zu DDR-Zeiten unaufhaltsam verfallenden Quartiers der Spandauer Vorstadt, gehören zu ihren frühen Arbeiten. Aber schon in diesen Tusch- und Handzeichnungen Radierungen und Aquarellen, die häufig durch Straßennahmen im Titel scheinbar präzise lokalisierbar sind, geht es ihr, vielleicht noch unbewusst weniger um topografische als vielmehr um stimmungshafte Genauigkeit. Weniger um den Ort als dessen - eine überstrapazierte Vokabel, für die ich dennoch kein Synonym finde - Seele. Sabine Peuckerts Stadtlandschaften sind von Anfang an beseelt, weil sie hinter dem äußeren den inneren Raum sichtbar werden lassen.

Von daher entdecke ich in Ihrem bisherigen Schaffen einen Zusammenhang und- halt , der allerdings nichts zu tun hat mit Gleichförmigkeit, Stillstand gar, sondern Sprünge, Diskontinuität durchaus gestattet, ja zur Triebfeder des Herangehens macht. Das Misstrauen gegenüber Methoden und Konzeptionen eingeschlossen. Auf den ersten Blick will kaum noch etwas an die Arbeits- und Betrachtungsweise aus den siebziger /achtziger Jahren erinnern. In der jüngeren Zeit- und diese Ausstellung versammelt Bilder, die zwischen 1994 und 1996 entstanden- tritt das Zeichnerische und vor allem das Druckgrafische zugunsten des Malerischen zurück. Deckende Wasserfarben, Acrylfarben, selbstangerührte Eitempera mit ihrer stumpfen Oberfläche werden von der Künstlerin bevorzugt. Das Liebliche, das so oft mit dem Schönen verwechselt wird, ist ohnehin ihre Sache nicht,. Das zeigen bereits die herben Stadtlandschaften, die den realsozialistischen Niedergang festhalten. In diesem tieferen Sinne aber finde ich die neuen großformatigen Blätter mit ihrer erlesenen Farbigkeit schön. Und durchaus nicht erst beim zweiten Hinsehen. Zur gelassenen Heiterkeit, die schon zeitig im Werk zu finden ist gesellt sich zunehmend das Spiel mit dem Absurden, dem Grotesken. Eine philosophische Dimension tut sich auf, die freilich nie im gequält Grüblerischen strandet. Nicht zufällig hat Sabine Peuckert ihre Ausstellung "Inseln" genannt. Die Insel als Metapher für Ungebundensein, aber auch für die Isoliertheit , die Einsamkeit. Titel wie "im Grünen", "am See" oder "Abend finnisch" entziehen sich nun bewusst der einsträhnigen Deutung. Landschaft/Stadtraum wird fortschreitend aufgelöst, vereinfacht, aufs Minimum reduziert. Auf das Symbol, das Zeichen. Zu ihnen setzt sich hier und da der Schemen einer Figur, eines Vogels in spannungsvolle Verhältnis.

Und doch, hier komme ich auf den Anfang zurück, scheint mir der Raum nirgendwo zu Vorwand degradiert, zum immerfort bloß nach Innen weisenden Wegzeichen. So wie in den frühen graphischen Blättern das Hintergründige nicht vom Vordergründigen verstellt wird, so hat hier das Doppelbödige tatsächlich noch Boden Die Bildfindungen und -erfindungen stürzen nicht ins Beliebige, also Bodenlose, weil sie einen Fuß auf der Erde behalten. Oder auch nur Sehnsucht nach dieser Verbundenheit.

Wolfgang Feyerabend, lebt als Autor und Stadtführer in Berlin
 

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