SABINE PEUCKERT

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Detlef Lücke

zur Ausstellung in der Galerie Mitte, Reinhardtstraße, Berlin
aus SONNTAG Nr. 26 1990

... In ihrer stillen, unspektakulären Malweise ist sie ein wichtiger und unbestechlicher Beobachter des Organons Stadt. Ihre Arbeiten sind geprägt von Anteilnahme, Berlin ist ihr kein Steinbruch für eigene ästhetische Profilierung. Wofür Bilder stehen wie "Verlassene Häuser"(1987), wo im verfallenen Steinchaos die Wäsche im Vordergrund hängt. Wird Anfang der achtziger Jahre beim "Frühlingstag 1983" städtisches Leben gleichsam noch unbelastet als Fensterblick gemalt, ist in den 1989 und 1990 entstandenen Arbeiten eine enorm philosophische Vertiefung zu erfahren, was sicher mit den politischen Umwälzungen zu tun hat.

Wohltuend, dass Sabine Peuckerts Beteiligtsein weder ein penetrantes larmoyantes Klagen über eine vermeintliche Paradiesvertreibung ist, noch ein kritikloses Hinnehmen neuer Lebenserfahrungen. Es scheint kein Zufall zu sein, dass Zwischentöne, "grey is beautiful" (Gästebuch), zunehmend die Bilder prägen. Die Mischung aus Weiß, Grau und Schwarz, aus Fläche und zuweilen wie mit Kreide hineingezeichneter Linie schafft einen diffusen Bildgrund, die Stadtansichten sind unterhöhlt und durchlässig. Scheinbar Festgefügtes verkommt zu Ruinösem. Zeichen und Chiffren können nur schwer entschlüsselt werden, Sabine Peuckert stellt in ihren Bildern viele Fragen.
Es sind unsere Fragen. Sie drängt uns keine Antworten auf, sondern stärkt den Zweifel. Aufkommende Harmonie wird immer wieder durch hineingezeichnete Linien befragt und gestört. Gegen die Gefahr sentimentaler Stadtbetrachtung setzt sie eigene Intensität und Genauigkeit.

 

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